Der Missionskodex 2012

Christliche Kirchen:
Gemeinsamer Verhaltens-Kodex für Mission


"Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt" ist ein Dokument (s. Anhang) mit
Empfehlungen für einen Verhaltenskodex für Christen im Gespräch und Verhalten
gegenüber anderen Menschen und ihren Religionen. Dieser Leitfaden für christliche Mission wurde im Juni 2011 im ökumenischen Zentrum in Genf gemeinsam vom Vatikan, dem Ökumenischen Rat der Kirchen und der Weltweiten Evangelischen Allianz verabschiedet und unterzeichnet.

Während die Einen dieses Dokument als neue Möglichkeiten sehen, sehen die Anderen
einen weiteren Schritt in Richtung globale Kirche mit einem Maulkorb für bibeltreue
Christen, die nicht mehr Jesus Christus als alleinigen Retter predigen dürfen.

Ohne zu pauschalisieren, soll hier dieser Kodex, der zunächst ein "Verhaltenskodex" und
kein "Errettungskodex" ist, einmal beleuchtet werden. Dabei sollen positive und negative Dinge angesprochen werden.


1) Was noch nicht direkt schlecht ist
a) Zum Inhalt grundsätzliches

Die sieben "Grundlagen für das christliche Zeugnis" sind, bis auf wenige kleine
Ausnahmen, soweit biblisch und ethisch korrekt und vorzeigbar.
Auch bei den darauf folgenden Prinzipien lassen sich zunächst Punkte wiederfinden, die
ein echtes Christsein widerspiegeln wie
  • Handeln in Gottes Liebe
  • Jesus Christus nachahmen
  • Gott den Vater, in der Kraft des Heiligen Geistes zu verherrlichen
  • Verhalten von Integrität, Nächstenliebe, Mitgefühl und Demut bestimmen zu lassen
  • Ausnutzung von Armut und Not hat im christlichen Dienst keinen Platz
  • Taten des Dienens und der Gerechtigkeit
  • Ablehnung von Gewalt
  • Menschen mit Respekt zu behandeln
  • Kein falsches Zeugnis geben
  • für ihre Nächsten und deren Wohlergehen beten, in dem Bewusstsein, dass Gebet wesentlicher Teil unseres Seins und Tuns und der Mission Christi ist.


b) In politischer Hinsicht ist dieses Dokument für Christen sehr wichtig

Christen, die der Verfolgung ausgesetzt werden, werden angekreidet, Anhänger anderer
Religionen zu ködern, indem sie Geld in die Bibel legen. Auch werden Christen mit Fundamentalisten gleichgestellt, die gefährlich sind. In dieser Hinsicht bildet dieses Dokument gegenüber Anhänger anderer Religionen, die von Christen ein falsches Bild haben, ein Beispiel.
Gegenüber Politikern und Staatsmännern, die in Christen eine Gefahr für die Entwicklung
und Kultur ihres Landes sehen, kann es zu einer Beschwichtigung werden, wenn man für
die Christen im Land argumentiert.



2) Bedenkliches
a) Bei den "Grundlagen für das christliche Zeugnis"

In Punkt 3 das Vorbild und die Lehre Jesu angesprochen. Aber es fehlt der Bezug, dass
Jesus Christus Retter und Erlöser ist.
Im selben Punkt ist von einer frühen Kirche die Rede. Es lässt sich damit interpretieren,
dass die frühe Kirche als Institution gemeint ist und nicht die ersten Gemeinden wie sie in
der Apostelgeschichte vorkommen.
In Punkt vier ist auch von einem Dialog die Rede. Ein Dialog ist darauf angelegt, dass bei
Meinungsverschiedenheiten Abstriche gemacht werden. In Bezug auf Joh. 14, 6 ist dies
bedenklich.


b) Zu dem zweiten Hauptteil den Prinzipien

In Punkt 8 ist davon die Rede gemeinsam Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinwohl
voranzutreiben. Dies kann aber nicht auf der religiösen Basis geschehen.

Bei Punkt 10 kann ich nur unter absoluten Vorbehalt das anerkennen und wertzuschätzen,
was in dem Glauben und der Glaubenspraxis anderer gut und wahr ist. Die absolute
Richtschnur kommt alleine von Jesus Christus. Dahingehend laufe ich in Gefahr etwas
anzunehmen was gut erscheint, aber nahe an der Wahrheit vorbei ist. Satan zitierte auch
gegenüber dem Herrn die Bibel. Aber unvollständig und sinnverdreht.

Punkt 12 geht in die ähnliche Richtung wie Punkt 8. Nach der Bibel gibt es keine
gemeinsame Vision.


c) Zu der dritten Abhandlung den Empfehlungen

Punkt 1 kann etliche obigen Punkte wieder revidieren. Dort steht in Zusammenhang mit
der Einleitung:
Wir empfehlen unseren Kirchen, nationalen und regionalen konfessionellen Zusammenschlüssen und Missionsorganisationen, insbesondere denjenigen, die in einem
interreligiösen Kontext arbeiten, die in diesem Dokument dargelegten Themen studieren
und gegebenenfalls Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis formulieren, die ihrem
spezifischen Kontext angemessen sind. Wo möglich, sollte dies ökumenisch und in Beratung mit Vertretern/innen anderer Religionen geschehen.

Das christliche Zeugnis wird also mit der Hilfe von Vertretern der anderen Religionen so
angepasst, dass sie sich in ihrem Glaubensleben nicht gestört oder beleidigt fühlen.


Damit dürfte ich z.B., wenn es eine Richtlinie wäre und keine Empfehlung
  • einem Muslimen nicht mehr Jesus Christus als Sohn Gottes bezeugen,
  • einem Juden nicht mehr sagen dass sein Messias schon gekommen ist,
  • einem Buddhisten nicht mehr vermitteln dass ich durch Werke nicht in den Himmel komme oder
  • einem Hinduisten der höheren Kaste sagen, dass die unteren Kasten in Jesu Augen gleichwertig sind.

Elia hätte damals nicht sagen dürfen: " Wie lange wollt ihr auf beiden Seiten hinken? Ist
der HERR Gott, so folgt ihm nach, ist es aber Baal, so folgt ihm!" (1Kö 18,21) Nicht zu reden von 3Mo 17,7 "Und sie sollen von nun an ihre Opfer nicht mehr den Dämonen opfern, denen sie nachhuren. Das soll eine ewig gültige Ordnung für sie sein in ihren [künftigen] Geschlechtern" und 1Kor 10,20 "Nein, sondern daß die Heiden das, was sie opfern, den Dämonen opfern und nicht Gott! Ich will aber nicht, daß ihr in Gemeinschaft mit den Dämonen seid."



3) Etwas Problematisches zur Evangelischen Allianz
a) Etwas Grundsätzliches zur Beachtung

Die heutige Allianz ist nicht mehr die Allianz vor 20 Jahren, sondern sie kooperiert mit
ÖRK, UNO und anderen antichristlichen Gremien.
Aber, dies betrifft nicht unbedingt die Ortsallianzen, sondern die Allianzleitung. Wie Baldur
Gescheidl weiter unten anmerkt, hat die Weltweite Evangelische Allianz gewiss nicht die
Basis mit einbezogen.
Christen, die ganz unten an der Basis sich der Evangelischen Allianz verpflichtet fühlen,
die nehmen an Gebetstreffen teil, weil sie mit anderen Christen etwas zusammen machen
wollen. Und wenn sie auf die Straße gehen zu evangelisieren, werden sie den
Verhaltenskodex auch gewiss in der Tasche nicht mitnehmen.


b) Beitrag von Baldur Gescheidl zur Evangelischen Allianz

Nun ist es doch endlich soweit! Auch die Weltweite Evangelische Allianz hat sich jetzt mit dem Einstieg in den „Interreligiösen Dialog“ von der Exklusivität der Bibel verabschiedet. Sicher jedoch, ohne die Basis in diese Entscheidung einzubeziehen.

Man spricht zwar noch etwas fadenscheinig von Mission, aber die EA drückt jetzt doch mit diesem Schritt aus, dass der christliche Glaube, besser, der „Glaube an das Heil allein in Jesus Christus“ nicht mehr gültig ist. Jesus Christus ist nicht länger mehr „der Weg, die Wahrheit und das Leben“.

Das Heil ist in „allen“ Religionen zu finden, so ist es dem Interreligiösen Dialog zu entnehmen. Alle Religionen gelten als gleichwertig! Es gibt keine absolute Wahrheit mehr
– das Wort von Paulus – dass nur in „Jesus Christus das Heil“ zu erlangen ist – ist beiseite
geschoben. „Einheit in der Vielfalt“: Das ist auch das Schlagwort der „DEA“!

Wahrheit und Einheit finden sich in der Vielfalt der Religionen. Als sehr aufschlussreich
ist in dem Buch „Die sanfte Verführung“, von Constance Cumbey folgendes erwähnt: Der
Ausdruck „Einheit in der Vielfalt“ wurde von der führenden Esoterikerin Alice Bailey geprägt; er war ihr von dem Tibeter Leitgeist eingegeben worden. Der Ausdruck ist ein bekanntes New-Age Signalwort. Der Tibeter wird im selben Buch näher beschrieben. Er ist ein Meister aus dem Jenseits: Djawal Khul. A. A. Bailey hasste das Christentum, bzw. den Christus und Gott der Bibel. Sollte es nun ein reiner Zufall sein, dass ausgerechnet die Evangelische Allianz dieses Schlagwort „Einheit in der Vielfalt“ nicht nur als Buchtitel herausgegeben, sondern auch als Programm für sich formuliert hat? (Werner Beyer „Einheit in der Vielfalt“)

Mission ist somit im Grunde überflüssig geworden. Da helfen auch nicht die beschönigenden Worte von Prof. Dr. ThomasSchirrmacher, der mit Kardinal Jean-Louis
Pierre Tauran, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog übereingekommen ist. Dies soll nun kein Kompromissdokument sein, so Schirrmacher.
Aber was ist es denn dann? Die Verbreitung der frohen Botschaft, dass Jesus die Rettung
für alle Menschen ist die an Ihn glauben, ist also nicht mehr nötig. Es gibt keine Sünder
mehr. Niemand ist von Gott getrennt. Wir kommen alle in den Himmel! Mutter Teresa hatte das Ziel, aus einem Moslem, Hindu oder Buddhisten einen besseren Gläubigen seiner Religion zu machen. Wer also soll nun überhaupt noch missioniert werden, oder was bedeutet eigentlich noch Mission unter diesen Prämissen?

Wohin der Kurs geht wird deutlich, wenn man die Botschaften von Kardinal Jean-
Louis Pierre Tauran liest, die er zu hinduistischen Götterfesten, religiösen buddhistischen Feiern oder zum Ende des islamischen Ramadan im Namen des Papstes übermittelt. (http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/interelg/index_ge.htm)

In diesen Religionen werden die verschiedensten Gottheiten verehrt und angebetet,
keinesfalls jedoch den Gott, welcher der Vater Jesu Christi ist. Ist diese neue Botschaft
wohl der Aufbruch in die „Neue Welt“, der NWO?

Der Interreligiöse Dialog wird auch von der Freimaurerei, den Rotary- und Lions
Clubs vertreten und gefördert. Einer ihrer bekanntesten Befürworter ist der katholische
Prof. Dr. Hans Küng von der Stiftung Weltethos. Er setzt sich mit großem Eifer für den
Interreligiösen Dialog ein. Küng ist selbst Mitglied im Rotary-Club Reutlingen-Tübingen-
Nord. Er erhielt 2007 den Kulturpreis der deutschen Freimaurer. Ebenso sind zahlreiche
evangelische und katholische Bischöfe und Leiter für ihre Mitgliedschaft in diesen
Vereinigungen bekannt. Nicht vergessen werden sollte auch, dass die EVANGELISCHE
ALLIANZ von Freimaurern im Jahre 1846 in der „Freemason’s Hall“ in London gegründet
(http://christlicher-gemeinde-dienst.de/news/newsdetail.php?id=1&nid=398) wurde. Unter das große Dach der religiösen Toleranz gebracht sollen nun:
Judentum, Christentum und Islam; Hinduismus und Buddhismus; Konfuzianismus und
Daoismus (Taoismus). Auch der Ahnenkult gehört ebenfalls zum Interreligiösen Dialog.



Papst Benedikt der XVI führte aus:

„Sagen wir, der Ahnenkult findet seine Entsprechung in der Gemeinschaft der Heiligen, dem Fegefeuer. Die Heiligen sind nicht nur diejenigen, die heilig gesprochen worden sind, sondern all unsere Verstorbenen. Und so verwirklicht sich im Leib Christi auch das, was der Ahnenkult nur erahnte. Und so weiter. So gibt es eine tiefe Begegnung, die wirklich Anlass zur Hoffnung gibt. Und auch der interreligiöse Dialog wächst“. (Apostolische Reise nach Kamerun und Angola 17.-23.März 2009;http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2009/march/documents/hf_ben-xvi_spe_20090317_africa-interview_ge.html)


Im Katholizismus werden ja tatsächlich die Toten im Gebet angerufen.

„In seine Ansprache an die Muslime hebt der Papst hervor: „Alle (Christen und Muslime) glauben an den einen, barmherzigen Gott, der am Jüngsten Tag die Menschen richten wird“: (vgl. II. Vat. Konzil, Konstitution Lumen gentium, 16). (Nach Johannes Ramel)

Fritz Lobinger (* 22. Januar 1929 in Passau) war von 1986 bis 2004 katholischer Missionsbischof von Aliwal in Südafrika. (http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Lobinger)

Er stammt aus dem Bistum Regensburg und ist seit 50 Jahren in Südafrika tätig, er
weiß, wie sehr die Bevölkerung mit ihren Kulten verbunden ist. 95 Prozent seiner
Diözese sind Afrikaner. Im Grunde habe die katholische Kirche lange zu viel Angst vor
den Ahnen gehabt.
Radio Vatikan 18/08/2006 – Südafrika: Bischofserklärung (Lobinger) zum Ahnenglauben:

"Jetzt bauen wir in viele Gottesdienstveranstaltungen eine Anrufung an die Ahnen ein, oder auch bei großen Zeremonien bauen wir das rituelle Ausgießen von Bier auf die Erde für die Ahnen offiziell in unserer eigenen Anwesenheit ein. Wir möchten es dem afrikanischen Christen leicht machen, dieses Ahnenvertrauen und das Gottvertrauen zu verbinden." (http://www.podcast.de/episode/184802/S%C3%BCdafrika%3A_Bischofserkl%C3%A4rung_zum_Ahnenglauben)
 
So sieht also der „Interreligiöse Dialog" in Wahrheit aus. Was soll bei der Evangelischen
Allianz eigentlich noch evangelisch sein? Die „EA“ sollte ich besser gleich umbenennen,
entweder in ÖKUMENISCH- KATHOLISCHE ALLIANZ, oder gar in NEW WORLD
ALLIANZ.

"Interreligiöses Gebet"- "Multireligiöses Gebet" - Gebet der Religionen".

Pfr. Dr. Johny Thonipara, Beauftragter für Entwicklung und Partnerschaft Asien Zentrum
Ökumene der EKHN. Er schreibt zum Gebet der Religionen:

Das Gebet der Religionen soll eingebettet sein in einen bereits bestehenden
interreligiösen Dialog. Es ist vorteilhaft, wenn sich vor einem geplanten Gebet Angehörige der beteiligten Religionen durch Begegnungen und Gespräche gegenseitig bereits kennen lernen konnten und schon vorher an den Gottesdiensten, Festen, Riten und Feiern der anderen Religion teilgenommen haben. Solche Anlässe sind ausgezeichnete Gelegenheiten, das Verständnis füreinander zu vertiefen. Daraus kann Vertrauen erwachsen, welches eine optimale Voraussetzung ist. (http://www.zoe-ekhn.de/service-menue/kontakt/dr-johny-thonipara.html)

Siehe auch Who is Who in der Ökumene (http://www.zoe-ekhn.de/fileadmin/content/Materialien/Dokumentationen/Who_is_who.pdf)

So sieht also der „Interreligiöse Dialog“ in Wahrheit aus. Von der Evangelischen Allianz mit ihren so zahlreichen Mitgliedsorganisationen, sollte sich wer Jesus nachfolgen will,
geflissentlich fernhalten! „Evangelische Allianz – QUO VADIS“?
Baldur Gscheidle Juli 2011



4) Nachtrag

Es kann natürlich sein, dass dieses Dokument eine Vorstufe zu einem späteren Dokument, wie ein Errettungskodex, bildet der besagt, dass Christen aus Diskriminierungsgründen nicht mehr auf Joh.14,6 verweisen dürfen.

Aber noch sind Christen in der Basis nicht weisungsgebunden und nicht verpflichtet sich
an Direktiven von Oben zu halten. Noch nicht!

Und bis es soweit ist, sollten bibeltreue Christen Vorort wirken und auch andere Geschwister in Geduld und Liebe auf Diskrepanzen hinweisen, damit diese nicht mit in den Sog geraten, sobald sich die "Empfehlungen für einen Verhaltenskodex" in Richtlinie für Verhalten und Errettung umwandeln.

Denn, sobald sich Christen verbindlich an diese Richtlinien orientieren müssen, sollten sie
die Institutionen die der Ökumene anhangen verlassen.

Die Gefahren des drinnen Bleibens sind:

  • man wird geistlich herunter gezogen
  • man fängt an vieles zu entschuldigen mit Sätzen wie z.B. "das ist ja nicht heilsentscheidend"
  • was man vorher unter gesunder Lehre gemieden hätte, wird gerechtfertigt und
  • es werden so viel Kompromisse gemacht, dass man in der entscheidenden Phase nicht die Kraft hat, sich abzusondern.





Anhang: Das komplett veröffentlichte Dokument:

(http://www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/oerk-programme/interreligious-dialogue-and-cooperation/christian-identity-in-pluralistic-societies/das-christliche-zeugnis-in-einer-multireligioesen-welt.html)


Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt
Empfehlungen für einen Verhaltenskodex

Präambel

Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche. Darum ist es für jeden Christen und jede Christin unverzichtbar, Gottes Wort zu verkünden und seinen/ihren Glauben in der Welt zu bezeugen. Es ist jedoch wichtig, dass dies im Einklang mit den Prinzipien des Evangeliums geschieht, in uneingeschränktem Respekt vor und Liebe zu allen Menschen.

Im Bewusstsein der Spannungen zwischen Einzelnen und Gruppen mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen und der vielfältigen Interpretationen des christlichen Zeugnisses sind der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog, der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und, auf Einladung des ÖRK, die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) über einen Zeitraum von fünf Jahren zusammengekommen, um gemeinsam nachzudenken und das vorliegende Dokument zu erarbeiten. Dieses Dokument soll keine
theologische Erklärung zur Mission darstellen, sondern verfolgt die Absicht, sich mit praktischen Fragen auseinanderzusetzen, die sich für das christliche Zeugnis in einer multireligiösenWelt ergeben.

Ziel dieses Dokuments ist es, Kirchen, Kirchenräte und Missionsgesellschaften dazu zu ermutigen, ihre gegenwärtige Praxis zu reflektieren und die Empfehlungen in diesem Dokument zu nutzen, um dort, wo es angemessen ist, eigene Richtlinien für Zeugnis und Mission unter Menschen zu erarbeiten, die einer anderen Religion oder keiner bestimmten Religion angehören. Wir hoffen, dass Christen und Christinnen in aller Welt dieses Dokument vor dem Hintergrund ihrer eigenen Praxis studieren, ihren Glauben an Christus
in Wort und Tat zu bezeugen.


Grundlagen für das christliche Zeugnis

1. Für Christen/innen ist es ein Vorrecht und eine Freude, Rechenschaft über die Hoffnung abzulegen, die in ihnen ist, und dies mit Sanftmut und Respekt zu tun (vgl. 1. Petrus 3,15).

2. Jesus Christus ist der Zeuge schlechthin (vgl. Johannes 18,37). Christliches Zeugnis bedeutet immer, Anteil an seinem Zeugnis zu haben, das sich in der Verkündigung des Reiches Gottes, im Dienst am Nächsten und in völliger Selbsthingabe äußert, selbst wenn diese zum Kreuz führen. So wie der Vater den Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes gesandt hat, so sind Gläubige mit der Sendung beauftragt, in Wort und Tat die Liebe des dreieinigen Gottes zu bezeugen.

3. Das Vorbild und die Lehre Jesu und der frühen Kirche müssen das Leitbild für christliche Mission sein. Seit zwei Jahrtausenden streben Christen/innen danach, dem Weg Christi zu folgen, indem sie die Gute Nachricht vom Reich Gottes weitergeben (vgl. Lukas 4,16-20).

4. Christliches Zeugnis in einer pluralistischen Welt umfasst auch den Dialog mit Menschen, die anderen Religionen und Kulturen angehören (vgl. Apostelgeschichte 17,22-28).

5. In einigen Kontexten stößt das Anliegen, das Evangelium zu leben und zu verkündigen, auf Schwierigkeiten, Behinderungen oder sogar Verbote. Und doch sind Christen/innen von Christus beauftragt, weiterhin in Treue und gegenseitiger Solidarität von ihm Zeugnis abzulegen (vgl. Matthäus 28,19.20; Markus 16,14-18; Lukas 24,44-48; Johannes 20,21; Apostelgeschichte 1,8).

6. Wenn Christen/innen bei der Ausübung ihrer Mission zu unangemessenen Methoden wie Täuschung und Zwangsmitteln greifen, verraten sie das Evangelium und können anderen Leid zufügen. Über solche Verirrungen muss Buße getan werden und sie erinnern uns daran, dass wir fortlaufend auf Gottes Gnade angewiesen sind (vgl. Römer 3,23).

7. Christen/innen bekräftigen, dass es zwar ihre Verantwortung ist, von Christus Zeugnis abzulegen, dass die Bekehrung dabei jedoch letztendlich das Werk des Heiligen Geistes ist (vgl. Johannes 16,7-9; Apostelgeschichte 10,44-47). Sie wissen, dass der Geist weht, wo er will, auf eine Art und Weise, über die kein Mensch verfügen kann (vgl. Johannes 3,8).


Prinzipien

In ihrem Bestreben, den Auftrag Christi in angemessener Weise zu erfüllen, sind Christen/innen dazu aufgerufen, an folgenden Prinzipien festzuhalten, vor allem in interreligiösen Begegnungen.

1. Handeln in Gottes Liebe. Christen/innen glauben, dass Gott der Ursprung aller Liebe ist.
Dementsprechend sind sie in ihrem Zeugnis dazu berufen, ein Leben der Liebe zu führen und ihren Nächsten so zu lieben wie sich selbst (vgl. Matthäus 22,34-40; Johannes 14,15).

2. Jesus Christus nachahmen. In allen Lebensbereichen und besonders in ihrem Zeugnis sind Christen/innen dazu berufen, dem Vorbild und der Lehre Jesu Christi zu folgen, seine Liebe weiterzugeben und Gott, den Vater, in der Kraft des Heiligen Geistes zu verherrlichen (vgl. Johannes 20,21-23).

3. Christliche Tugenden. Christen/innen sind dazu berufen, ihr Verhalten von Integrität, Nächstenliebe, Mitgefühl und Demut bestimmen zu lassen und alle Arroganz, Herablassung und Herabsetzung anderer abzulegen (vgl. Galater 5,22)

4. Taten des Dienens und der Gerechtigkeit. Christen/innen sind dazu berufen, gerecht zu handeln und mitfühlend zu lieben (vgl. Micha 6,8). Sie sind darüber hinaus dazu berufen, anderen zu dienen und dabei Christus in den Geringsten ihrer Schwestern und Brüder zu erkennen (vgl. Matthäus 25,45). Soziale Dienste, wie die Bereitstellung von Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsfürsorge, Nothilfe sowie Eintreten für Gerechtigkeit und rechtliche Fürsprache sind integraler Bestandteil davon, das Evangelium zu bezeugen.
Die Ausnutzung von Armut und Not hat im christlichen Dienst keinen Platz. Christen/innen sollten es in ihrem Dienst ablehnen und darauf verzichten, Menschen durch materielle Anreize und Belohnungen gewinnen zu wollen.

5. Verantwortungsvoller Umgang mit Heilungsdiensten. Als integralen Bestandteil der Bezeugung des Evangeliums üben Christen/innen Heilungsdienste aus. Sie sind dazu berufen, diese Dienste verantwortungsbewusst auszuführen und dabei die menschliche Würde uneingeschränkt zu achten. Dabei müssen sie sicherstellen, dass die Verwundbarkeit der Menschen und ihr Bedürfnis nach Heilung nicht ausgenutzt werden.

6. Ablehnung von Gewalt. Christen/innen sind aufgerufen, in ihrem Zeugnis alle Formen von Gewalt und Machtmissbrauch abzulehnen, auch deren psychologische und soziale Formen. Sie lehnen auch Gewalt, ungerechte Diskriminierung oder Unterdrückung durch religiöse oder säkulare Autoritäten ab. Dazu gehören auch die Entweihung oder Zerstörung von Gottesdienstgebäuden und heiligen Symbolen oder Texten.

7. Religions- und Glaubensfreiheit. Religionsfreiheit beinhaltet das Recht, seine Religion öffentlich zu bekennen, auszuüben, zu verbreiten und zu wechseln. Diese Freiheit entspringt unmittelbar aus der Würde des Menschen, die ihre Grundlage in der Erschaffung aller Menschen als Ebenbild Gottes hat (vgl. Genesis 1,26). Deswegen haben alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten. Überall dort, wo irgendeine Religion für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder wo religiöse Verfolgung stattfindet, haben Christen/innen den Auftrag, als prophetische Zeugen und Zeuginnen solche Handlungsweisen anzuprangern.

8. Gegenseitiger Respekt und Solidarität. Christen/innen sind aufgerufen, sich zu verpflichten, mit allen Menschen in gegenseitigem Respekt zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinwohl voranzutreiben. Interreligiöse Zusammenarbeit ist eine wesentliche Dimension einer solchen Verpflichtung.

9. Respekt für alle Menschen. Christen/innen sind sich bewusst, dass das Evangelium Kulturen sowohl hinterfragt als auch bereichert. Selbst wenn das Evangelium bestimmte Aspekte von Kulturen hinterfragt, sind Christen/innen dazu berufen, alle Menschen mit Respekt zu behandeln. Sie sind außerdem dazu berufen, Elemente in ihrer eigenen Kultur zu erkennen, die durch das Evangelium hinterfragt werden, und sich davor in Acht zu nehmen, anderen ihre eigenen spezifischen kulturellen Ausdrucksformen aufzuzwingen.

10. Kein falsches Zeugnis geben. Christen/innen müssen aufrichtig und respektvoll reden; sie müssen zuhören, um den Glauben und die Glaubenspraxis anderer kennen zu lernen und zu verstehen, und sie werden dazu ermutigt, das anzuerkennen und wertzuschätzen, was darin gut und wahr ist. Alle Anmerkungen oder kritischen Anfragen sollten in einem Geist des gegenseitigen Respekts erfolgen. Dabei muss sichergestellt werden, dass kein falsches Zeugnis über andere Religionen abgelegt wird.

11. Persönliche Ernsthaftigkeit sicherstellen. Christen/innen müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass der Wechsel der Religion ein entscheidender Schritt ist, der von einem ausreichendem zeitlichen Freiraum begleitet sein muss, um angemessen darüber nachzudenken und sich darauf vorzubereiten zu können. Dieser Prozess muss in völliger persönlicher Freiheit erfolgen.

12. Aufbau interreligiöser Beziehungen. Christen/innen sollten weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern. Deswegen sind Christen/innen dazu aufgerufen, mit anderen auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligiöser Beziehungen hinzuarbeiten.


Empfehlungen

Die Dritte Konsultation wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Kooperation mit der Weltweiten Evangelischen Allianz und vom PCID des Heiligen Stuhls mit Teilnehmenden der größten christlichen Glaubensgemeinschaften (Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Evangelikale, Pfingstler) organisiert und erarbeitete im Geist ökumenischer Zusammenarbeit dieses Dokument. Wir empfehlen unseren Kirchen, nationalen und regionalen konfessionellen Zusammenschlüssen und Missionsorganisationen, insbesondere
denjenigen, die in einem interreligiösen Kontext arbeiten, dass sie:

1. die in diesem Dokument dargelegten Themen studieren und gegebenenfalls Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis formulieren, die ihrem spezifischen Kontext angemessen sind. Wo möglich, sollte dies ökumenisch und in Beratung mit Vertretern/innen anderer Religionen geschehen.

2. von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen aller Religionen aufbauen, insbesondere auf institutioneller Ebene zwischen Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften, und sich als Teil ihres christlichen Engagements in anhaltenden interreligiösen Dialog einbringen. In bestimmten Kontexten, in denen Jahre der Spannungen und des Konflikts zu tief empfundenem Misstrauen und Vertrauensbrüchen zwischen und innerhalb von Gesellschaften geführt haben, kann interreligiöser Dialog neue Möglichkeiten eröffnen, um Konflikte zu bewältigen, Gerechtigkeit wiederherzustellen, Erinnerungen zu heilen, Versöhnung zu bringen und Frieden zu schaffen.

3. Christen/innen ermutigen, ihre eigene religiöse Identität und ihren Glauben zu stärken und dabei gleichzeitig ihr Wissen über andere Religionen und deren Verständnis zu vertiefen, und zwar aus der Sicht von Angehörigen dieser Religionen. Um angemessen von Christus Zeugnis abzulegen, müssen Christen/innen es vermeiden, die Glaubensüberzeugungen und Glaubenspraxis von Angehörigen anderer Religionen falsch darzustellen.

4. mit anderen Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, indem sie sich gemeinsam für Gerechtigkeit und das Gemeinwohl einsetzen und sich, wo irgend möglich, gemeinsam mit Menschen solidarisieren, die sich in Konfliktsituationen befinden.

5. ihre Regierungen dazu aufrufen, sicherzustellen, dass Religionsfreiheit angemessen und umfassend respektiert wird, in dem Bewusstsein, dass in vielen Ländern religiöse Einrichtungen und Einzelpersonen daran gehindert werden, ihre Mission auszuführen.

6. für ihre Nächsten und deren Wohlergehen beten, in dem Bewusstsein, dass Gebet wesentlicher Teil unseres Seins und Tuns und der Mission Christi ist.


Anhang: Zu diesem Dokument

1. In der heutigen Welt arbeiten Christen/innen zunehmend miteinander und mit Angehörigen anderer Religionen zusammen. Der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog des Heiligen Stuhls und das Programm für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen haben eine gemeinsame Geschichte solcher Zusammenarbeit. Beispiele für diese Zusammenarbeit sind Studien zu interreligiöser Ehe (1994-1997), interreligiösem Gebet (1997-1998) und afrikanischer Religiosität (seit 2000). Das vorliegende Dokument ist ein Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit.

2. Es gibt heute zunehmend interreligiöse Spannungen in der Welt, die bis hin zu Gewalt und zum Verlust von Menschenleben führen. Politische, wirtschaftliche und andere Faktoren spielen bei diesen Spannungen eine Rolle. Auch Christen/innen sind manchmal Teil dieser Spannungen, freiwillig oder unfreiwillig, entweder als Verfolgte oder als solche, die sich an der Gewalt beteiligen. Als Antwort darauf haben der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog und das Programm für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit des ÖRK beschlossen, die damit verbundenen Themen in einer gemeinsamen Ausarbeitung von Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis aufzugreifen. Das Programm für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit des ÖRK lud die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) dazu ein, sich an diesem Arbeitsprozess zu beteiligen, und diese Einladung wurde gerne angenommen.

3. Zunächst wurden zwei Konsultationen abgehalten: Die erste fand 2006 im italienischen Lariano statt und trug den Titel: „Eine Bestandsaufnahme der Realität“. Dort legten Angehörige verschiedener Religionen ihre Standpunkte und Erfahrungen im Blick auf die Frage der Bekehrung dar. Eine Aussage der Konsultation lautet: „Wir bekräftigen, dass jeder Mensch das Recht hat, für Verständnis für den eigenen Glauben zu werben, die Ausübung dieses Rechts jedoch nicht auf Kosten der Rechte und religiösen Empfindungen
anderer gehen darf. Religionsfreiheit legt uns allen die nicht verhandelbare Verantwortung auf, andere Glaubensrichtungen zu respektieren und sie niemals zu diffamieren, herabzuwürdigen oder falsch darzustellen, um dadurch die Überlegenheit unseres eigenen Glaubens zu betonen.“

4. Die zweite Konsultation, eine innerchristliche Zusammenkunft, wurde 2007 im französischen Toulouse abgehalten, um über dieselben Fragestellungen nachzudenken. Fragen zu Familie und Gesellschaft, Respekt vor anderen, Wirtschaft, Markt und Wettbewerb sowie Gewalt und Politik wurden ausführlich diskutiert. Die pastoralen und missionarischen Fragestellungen rund um diese Themen dienten als Grundlage für die weitere theologische Reflexion und für die Prinzipien, die im vorliegenden Dokument erarbeitet wurden. Jede Fragestellung ist für sich genommen wichtig und verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihr in einem kurzen Dokument wie diesen Empfehlungen gewidmet werden kann.

5. Die Teilnehmenden der dritten (innerchristlichen) Konsultation trafen sich vom 25.-28. Januar 2011 im thailändischen Bangkok und stellten das vorliegende Dokument fertig.


Übersetzung: Institut für Religionsfreiheit (IIRF) der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) durch Stefanie Seibel und Thomas Schirrmacher, überarbeitet vom Sprachendienst des ÖRK
 
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