Wie Muslime den Westen sehen

Wie Muslime den Westen sehen

Dies ist ein Ausschnitt von den Seiten 369-373 aus dem Buch "Veräter ihres Glaubens" von Bruder Andrew. Eindrücklicher kann man die Problematik nicht auf den Punkt bringen.

Die Schrift "Wegzeichen" von 1964 ist zum Manifest des radikalen Islam geworden und mit ihrem Autor Sayyid Qutb, die Quelle der Ideologie des modernen Dschihad.
Er war ehe schon gegenüber der Kultur von Amerika und Europa skeptisch, wurde aber nach einem Besuch in den Vereinigten Staaten darin bestärkt.

Ein Teil seines Problems war der dramatische Gegensat zwischen dem „christlichen" Amerika und seiner muslimischen Erziehung. 1906 geboren, hatte Sayyid schon als Junge den Koran auswendig gelernt, aber als er große wurde, packte ihn eine tiefe innere Unruhe - was war den eigentlich der Sinn des Lebens und des Todes? Er war ein Suchender von der mystischen Sorte und schrieb als junger Mann mehrere Bände Gedichte. Er war auch ein Moralis und ging als solcher auf Abstand zur westlichen Kultur. Er veröffentlichte eine vergleichende Studie des Korans und des Neuen Testaments, in der er schrieb, dass die europäische Gesellschaft wenig vom Christentum geprägt war, während die ägyptische stark vom Koran und dem islamischen Gesetz durchdrungen war.

Sayyid war offen für Leistungen der westlichen Wissenschaft, aber skeptisch gegenüber der Kultur in Europa und Amerika.
Und jetzt war er also in Amerika und konnte aus erster Hand prüfen, ob er mit seiner Meinung recht hatte. Er lernte New York, Washington, Denver, San Francisco und San Diego kennen, aber sein vielleicht folgenschwerstes Erlebnis hatte er in der besagten Kirche in Greeley. Er besuchte einen Sonntagabendgottesdienst mit anschließendem „Jugendabend" im Gemeindehaus. Der Pastor wählte die Musik aus, und das Tanzen begann.
„Sie tanzten zu Klängen des Plattenspielers, und der Tanzboden war von trommelnden Füßen, verführerischen Beinen, Armen, die sich um Taillen schlangen, Lippen und Brüsten, die sich aufeinander pressten. Die Atmosphäre war voller Begierde ..."
Wie schade, dass Sayyid keinen christlichen Freund hatte, der ihn in Gottesdienste mitnahm und mit dem er sich über das, was er in den Vereinigten Staaten beobachtete und über seine Gedanken zum Christentum und dem Islam und ihre Bedeutung für Kultur, Moral und Alltagsleben austauschen konnte. Es scheint, dass er in Amerika niemanden fand, der ihm zeigte, was echter christlicher Glaube ist. Als Sayyid nach Ägypten zurückkehrte, hatte er ein Amerikabild, das ganz von gewalttätigen Sportarten wie Football, von primitiver Musik, Rassendiskriminierung und Sex geprägt war. Dies war, wohlgemerkt, vor der kulturellen Revolution der 1960er Jahre - man stelle sich vor, was er erst heute vorfinden würde! Sayyids Fazit: Amerika war ein materialistisches Land ohne Seele.

Auf meinen Reisen durch die muslimische Welt werde ich immer wieder mit einer lautstarken Wut auf Europa und Nordamerika konfrontiert. Das Problem ist Folgendes: Die Muslime sehen den Westen und seine Kultur, bilden sich ein, dass westliche Kultur gleich Christentum ist, und wollen nichts vom Christentum wissen. Im Denken des Muslims gibt es keine Trennung zwischen Religion, Kultur und Politik. Wenn die USA in den Irak einmarschieren, ist dies für den Durchschnittsmuslim ein Angriff des Christentums auf den Islam. Wenn sie über ihre Satellitenschüsseln westliche Fernsehsender empfangen und dort die modernen Popsängerinnen in Minirock und mit Goldkreuzchen um den Hals sehen, die in den Texten ihrer Songs Gewalt und Sex verherrlichen, bilden sie sich ein, es mit Christen zu tun zu haben - da können Sie und ich noch so laut protestieren, dass dies nicht das wahre Christentum sei.

Wir protestieren natürlich und sagen, dass in einer demokratischen Gesellschaft doch Meinungs- und Religionsfreiheit herrscht, aber das rührt die Muslime wenig. Für sie spricht unsere Dekadenz lauter als unsere Worte.


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Juli 2017

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