Beurteilung Bibelminiserie

Eine Beurteilung der Bibel-Miniserie aus den Jahren 2013/14


Da ich seit sehr langem bezüglich des Fernsehprogramms nicht mehr aktuell bin, war es mir entgangen, dass es eine zehnteilige Miniserie der Bibel des US-Sender History gibt und von Roma Downey und Mark Burnett entwickelt wurde.

Ich selbst habe von Ulrich Eggers, bei dem die Filmreihe im ICMedienhaus erschien ist, Kenntnis erhalten, dass diese Bibelserie auch bei Evangelikalen auf große Begeisterung gestoßen ist.

Diese Rezension habe ich für wache Christen erstellt, damit diese über den Inhalt Bescheid wissen und darüber ins Gespräch kommen können. Sei es, wenn sie zu Gast in Gemeinden sind wo die Filmreihe angeboten wird, oder diese in christliche Büchergeschäfte sehen. Weiter halte ich diese Filmreihe für einen weiteren Beitrag, um die Liberalität unter den Evangelikalen zu fördern.

Die Serie erschien in Amerika im Jahr 2013 und wurde ab dem 17. April diesen Jahres 2014 auf VOX ausgestrahlt.

Da ich ein großer Fan des Buches Daniel bin, wollte ich zuerst die Episode anschauen die in Babylon spielt, habe dann aber doch eine Folge vorher angefangen zu schauen. Und mir wurde es echt übel. Es wurden gravierende Dinge und elementare Begebenheiten verdreht, weggelassen oder vom Sinn her total entstellt.

Das bei Bibelfilmen Begebenheiten hinzugefügt werden oder zeitlich anders dargestellt werden, war ich ja schon gewohnt und bisher war das nicht so gravierend, solange es dem Inhalt der Geschichte keinen Abbruch tat, oder der Bibelcharakter erhielten blieb.
Aber hier wurden Charaktere stellenweise total verzerrt wiedergegeben.


Beispiele gravierender Verfehlungen
1) Bei der Episode „Könige und Propheten“:
David wird alleine auf dem Feld gesalbt und ehe er die Tochter Sauls Michal heiratet, sollen Jahrzehnte vergangen sein. Daher fällt auch bei der Begebenheit das Versprechen Sauls weg, seine Tochter demjenigen zu geben, der Goliath besiegt. Stattdessen verspricht Saul demjenigen „Der Krieger der ihn besiegt, wird ein reicher Mann sein" (9.Min.).

Diese und alle weiteren ausgelassenen oder veränderten Begebenheiten sind nicht die Schlimmsten. Die schlimmste Charakterentstellung aber ist ab Minute 40:50 zu
sehen, nachdem David mit Bathseba die Ehe gebrochen hat:
Nathan: "Denkst du, du könntest das was du getan hast einfach vergessen machen? Du hast deinem treuesten Diener Uria alles genommen. Er hätte mehr Respekt verdient."
David: "Ich habe ihn respektiert"
Nathan: "Tatsächlich? Du nahmst ihn seine Frau und dann sein Leben"

David reagiert daraufhin verärgert, als dürfe der Prophet ihn nicht darauf ansprechen nur weil er König ist. Nathan kündigt Unglück über das Haus Davids an, wegen der "Missachtung" die er gezeigt hat (anstatt Sünde heißt es wirklich wortwörtlich "Missachtung").

Nathan: "Er wird dir deinen Sohn nehmen". Verärgert leicht aggressive Antwort von David: "Wir werden sehn"

Später fleht David bei der Bundeslade (immer noch unbußfertig) um das Leben des
Neugeborenen. Nachdem das Kind gestorben ist, verkündet Nathan:
"Obwohl du schwach bist liebt Er (Gott) dich David. Du hast sein Volk auf Erden geeint. Tröstet einander, ihr bekommt noch einen Sohn."

Also "Schwamm drüber" über den kleinen Ausrutscher?

In Wirklichkeit tat König David sofort Buße (2Sam 12,13) und brauchte dafür nicht zu sterben. Aber dieser bußfertige Charakter war für David bezeichnend.


2) Bei der Episode „Babylon“
• (10./11. Minute)Daniel und seine Freunde sind unter den Flüchtenden bei der letzten Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar und werden von den Soldaten fast getötet. In der Bibel ist er gleich bei der ersten Deportation dabei.

• (12:55 Minute) Im Film flieht Jeremia aus Jerusalem nach Ägypten. Wörtlich: "Jeremia war einer der Wenigen dem die Flucht gelang. Er machte sich auf den Weg nach Ägypten und kehrte nie wieder zurück." Aber in der Bibel wurde er freigelassen weil der König gehört hatte das er versucht hatte die Rebellion gegen Babylon zu verhindern und er wurde von Landsleuten nach Ägypten verschleppt, nachdem er versucht hatte...

• (14./15. Minute) Die Begebenheiten wo Daniel uns seine drei Freunde in Babylon ankommen und zunächst ausgebildet werden, fallen weg. In der ersten Szene die in Babylon spielt heißt es im Film wortwörtlich: "Daniel besaß hellseherische Kräfte und wurde gezwungen Nebukadnezar zu dienen". Also werden okkulte Kräfte und Begabungen als biblisch eingestuft, da im Film Daniel dem König Nebukadnezar sofort antwortet und sagt "er (Gott) ließ mich euren Traum sehen". Das Gebet an Gott um den Traum des Königs fiel natürlich vorher weg.

• (19. Minute) Das Bekenntnis der drei Freunde, warum sie sich nicht vor dem goldenen Standbild verneigen, fehlt. Nachdem der Engel im Feuerofen erschien kommen die Drei ohne Zuruf heraus und das Nebukadnezar Gott ehrt, wie in Dan 3,28+29, fehlt ebenso.

• (23./24.Minute) Nebukadnezars Irrsinn wird absolut verkehrt dargestellt. Auch ist er angebunden im Kerker und nicht auf dem Feld. Entsprechend fehlt die Warnung durch den Traum mit dem Baum und seine Genesung, weil er Gott verherrlicht.

• Belsazars Gastmahl, als wichtiges Zwischenelement, fehlt.

• (30:40 Minute) Das Bußgebet Davids aus Psalm 51,12 wird dem Daniel in den Mund gelegt als Darius das Gebetsverbot heraus gegeben hatte.

• (35./36. Minute) Kyrus schickt die Juden nach dem Vorfall mit Daniel in der Löwengrube nach Jerusalem zurück. Von Nehemia keine Spur.

Alles Weitere habe ich mir erspart. Ich wollte nur wenige ausgewählte Szenen aus den 10 Teilen nehmen, da eine vollständige Auflistung bestimmt mind. 10 DIN A 4 Seiten lang werden würde.


Und wer ist dieser Geist der hinter dieser Bibelverfilmung steckt?

Zu Anfang jeder Folge ist folgender Satz zu lesen:
"Diese Serie ist eine Adaption der Bibel. Sie versucht, so wahr wie möglich den Geist des Buches wiederzugeben."

Wie soll das wohl gelingen wenn dann so ein geistlicher Müll dabei herauskommt? All die imposanten Filmtricks können nicht den wahren Geist hinter dieser Produktion überdecken.

In einem Interview äußerte sich die Filmproduzentin Roma Downey, die den neuen Papst Francis als den Papst der Hoffnung bezeichnet, dass sie eine gläubige Katholikin ("devout catholic") sei und dann sagt sie: "I see God in everyone and in everything" (ich sehe Gott in Jedem und in Allem).

Dies wird durch Autoren der Nachrichtenseite CHRISTIANRESEARCHNETWORK bestätigt, die die Filmreihe ebenfalls verurteilen.

Weiterhin äußerte sie in dem Interview, dass sie schon bereits in jungen Jahren von ihrem Vater dahingehend erzogen worden war, auf die Stimme Gottes in ihr zu hören und von ihr geführt zu werden. Ihre Antwort zeigt durchaus woher sie die letztendliche Inspirationen erhält und diese mystische Praxis steht nicht im Widerspruch zu ihrem römisch-katholischen Glauben. Dies gehört zu den Elementen ignatianischer Spiritualität , einer Spiritualität des bekannten spirituellen Lehrers aus Südindien Sri Chinmoy oder auch der Gedanke von Taize wo es heißt: "Was bringt es, zu glauben, wenn Gott in jedem Menschen gegenwärtig ist?"

Es ist in den USA eine Minderheit die gegen den Film ist. Und hier wird es auch nicht viele Christen geben, die diese Bibelreihe ablehnen. Die Liberalität zum Wahrheitsgehalt der Bibel und die mangelnde Fähigkeit zu unterscheiden. Ich erhielt die Information eines Händlers, dass sie von Käufern hören, dass diese froh sind, so eine Filmreihe verschenken zu können, um anderen Menschen einen ersten Zugang zur Bibel zu ermöglichen.

Und da frage ich mich, was will man denn da weitergeben, wenn sogar Hollywoodverfilmungen aus früheren Zeiten bibeltreuer sind als diese? Welchen Eindruck sollen denn da Nichtchristen von der Bibel erhalten? Diese Bibelreihe ist nicht umsonst ab 16 Jahren und entsprechend sind auch die Kampfszenen recht brutal.

Ich bezweifle es ernsthaft, dass ein Mensch durch diese Filmreihe dazu bewogen wird, ernsthaft in der Bibel forschend zu lesen. Denn wie sollen wir den Menschen das Wort Gottes vermitteln, wenn wir es so gering ansehen und es uns nichts ausmacht, wenn es gravierende Abweichungen gibt?


Engagement der Deutschen Bibelgesellschaft

Die Deutsche Bibelgesellschaft hat eigens für die Bibelserie eine Internetseite
eingerichtet und wirbt entsprechend dafür. Dort heißt es auf der Startseite:
"Die Macher möchten mit der Serie eine zuverlässige Verfilmung der Bibel mit aktuellen Bildern schaffen. Sie sehen insbesondere für Kirchen eine große Chance, zu Filmabenden in die Gemeinde einzuladen und über die Bibel ins Gespräch zu kommen. "

Die Ostergrüße der Produzenten Roma Downey und Mark Burnett, die auch auf Youtube zu sehen sind, sind
Angesichts der gravierenden Verfehlungen ein Hohn. besonders wenn sie erklären: "Wir haben so hart daran gearbeitet, 'Die Bibel' zuverlässig umzusetzen." Dabei bleibt auch die Werbung für das ökumenische Miteinander, zwischen katholischer und protestantischer Kirche nicht aus.

Mit einem Satz haben sie sich aber ein Eigentor geschossen:
"Darum hat Deutschland eine lange Tradition der Bibelwissenschaft: Die Deutsche Bibelgesellschaft gibt kritische Bibelausgaben für das wissenschaftliche Bibelstudium weltweit heraus, um Gottes Wort zuverlässig zu bewahren."

Zurück zur Übersicht der Eigenen Publikationen

Aktueller Newsletter

Juli 2017

Newsletter
Ihr Name

Ihre Email-Adresse

eintragen
austragen